Die Call of Duty-Reihe ist eine Shooter-Serie, wie sie umstrittener nicht sein könnte. Während die einen Spieler sie als filmreife Action-Perlen abfeiern gibt es andere, die mangelnde Innovation sowie eine sich stetig wiederholende Formel sowie Gameplay-Mechaniken bemängeln. Die Medien haben seltsamerweise relativ wenige Berührungspunkte, lediglich bei den klassischen „Aufreger-Szenen“ wird gelegentlich versucht, die Killerspiel-Debatte nach vorne zu holen, jedoch zumeist ohne Erfolg. Der eigentliche Hype (sei es positiv oder negativ) um die Reihe begann 2007 mit der Veröffentlichung des offiziell vierten Serienteils, Call of Duty: Modern Warfare. Dieser versetzte durch seine fulminante Darstellung sowie den innovativen Multiplayer-Modus die Shooter-Konkurrenz in Angst und Schrecken und startete den jährlichen Veröffentlichungsrhytmus, der seitdem nicht unterbrochen wurde.
Nachdem Videospiele mit der Zeit allerdings selten besser werden entschied sich Entwickler Infinity Ward im Zuge des diesjährigen Ablegers, Infinite Warfare, eine Remastered-Version von Modern Warfare zu veröffentlichen. Diese umfasst sowohl den Multiplayer- als auch den Singleplayer-Modus. Während die Online-Variante zusammen mit dem nunmehr dreizehnten Teil am 4. November zur Verfügung stehen wird, kann die Kampagne von Vorbestellern der Sonder-Editionen bereits jetzt gespielt werden. Die Chance zu überprüfen, wie sich der von vielen Fans immer noch als beste Teil der Serie bezeichnete Titel heute macht und welche Maßnahmen ergriffen wurden, um Call of Duty: Modern Warfare ins Jahr 2016 zu hieven, habe ich mir nicht entgehen lassen.
Internationale Terroristen
Auf die Story von Modern Warfare werde ich nicht mehr groß eingehen, da diese schließlich weitestgehend bekannt (und zugegeben nicht sonderlich innovativ) ist. Diese spielt in der jetzigen Zeit oder einer nahen Zukunft. Wir schlüpfen hauptsächlich in die Rollen des SAS-Soldaten Sgt. „Soap“ MacTavish sowie der des Amerikaners Sgt. Paul Jackson. Beide sind auf unterschiedlichen Missionen unterwegs, um den Terroristen Khaled Al-Asad, der die Kontrolle in einem fiktiven arabischen Staat übernehmen will, zu stoppen. Während Soap zu diesem Zweck nach Russland und Aserbaidschan geschickt wird, macht sich Jackson direkt in Arabien auf die Jagd. Im Laufe der Geschichten entdecken wir die wahren Pläne hinter den terroristischen Akten sowie den Part, den der Russe Imran Zakhaev in der ganzen Affäre einnimmt.

Action-Feuerwerk
Während die Geschichte in kleinen Sequenzen währen den Ladezeiten erzählt wird bereiten wir uns auf unsere Einsätze vor. In den meisten Fällen bestehen die Missionen aus zwei Teilmechaniken: Wir müssen ein Gebäude oder ein Gebiet unbemerkt infiltrieren, dies gelingt jedoch nur höchst selten. Sobald wir entdeckt werden geht der Teil los, für den Call of Duty bekannt und beliebt ist: die brachiale Action. Wir liefern uns minutenlange Schusswechsel mit den feindlichen Einheiten, in den meisten Fällen russische oder arabische Soldaten. Die einzigen Verschnaufpausen die uns bleiben sind zum Nachladen sowie um unser Leben zu regenerieren.
Modern Warfare setzt beim Lebenspunktesystem auf die etabliert Variante, dass der Bildschirm sich pro eingestecktem Treffer immer röter verfärbt, bis uns schließlich das virtuelle Ableben ereilt. Um selbigem zu entgehen gilt es, sich lange genug von den umher fliegenden Kugeln fern zu halten, bis sich unser Charakter wieder regeneriert hat.
Die imposanten Gefechte wissen auch heute noch zu beeindrucken und zu fesseln, während wir uns um die Scharen an Gegner kümmern gibt es ständig Explosionen, umherfliegende Granaten, herunter stürzende Helikopter sowie in sich kollabierende Gebäude. Es knallt und scheppert an allen Enden, zwischenzeitlich kommt das Gefühl auf, wir würden einen Michael Bay-Film spielen. Die Auswahl der Waffen reicht von kleineren Pistolen über Maschinengewehren bis hin zu Stinger-Raketen, mit denen wir selbst Hubschrauber vom Himmel holen müssen – jedoch natürlich nur wenn das Level dies vorsieht. Die Kampagne von Modern Warfare (Remastered) ist wie jeder Teil der Serie von vorne bis hinten durchgeskriptet, alternative Laufrouten gibt es zwar, diese können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Levels extrem schlauchig konzipiert sind. Jedoch tut dies der Atmosphäre keinen Abbruch, vielmehr verstärkt diese extreme Form von vorgefertigten Ereignissen das Hollywood-Feeling noch mehr, dass der Titel mit jeder Pore verströmt.
Sofern wir gerade nicht mit unserem Gewehr im Anschlag durch die verschiedenen Krisengebiete marschieren gibt es noch einige kleinere Scharfschützen-Missionen sowie Abschnitte, in denen wir beispielsweise befreundete Einheiten als Bordschütze eines Lockheed AC-130H Spectre Gunships aus der Luft unterstützen. Dieses Level wurde relativ umstritten aufgenommen, da wir lediglich über eine Infrarot-Sicht verfügen und nicht genau ausmachen können, was feindliche Einheiten und was Zivilisten sind. Zwar wird uns vom Befehlshaber per Funk durchgegeben, welche Personen und Fahrzeuge wir nicht unter Beschuss nehmen sollen, jedoch bleibt bei dieser speziellen Mission ein gewisser bitterer Beigeschmack zurück, ganz besonders da unsere Verbündeten unser Treiben mit Jubelrufen begleiten. Dieser Moorhuhn-ähnliche Abschnitt ist auch Gameplay-technisch keine große Bereicherung für den Titel und hätte meiner persönlichen Auffassung nach auch ohne weiteres ausgelassen werden können.

Paradebeispiel
Genug mit den bekannten Punkten zu Call of Duty: Modern Warfare, kommen wir zur Quintessenz dieses Artikels: „Verdient“ sich die Neuauflage den Zugriff Remastered? Definitiv ein klares „Ja“ von meiner Seite. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass es sich bei der hier gezeigten Portierung um ein Paradebeispiel handelt, wie Remastered-Versionen auszusehen haben. Ich denke mit einem weinenden Auge an die kürzlich veröffentlichte, komplett lieblos umgesetzte Neuauflage von Resident Evil 4 zurück.
Die Entwickler haben sich mit einer simpel hochskalierten Grafik nicht zufrieden gegeben, sämtliche Texturen und Grafiken wurden neu erstellt oder mit viel Liebe zum Detail überarbeitet. Während die Architektur der Levels gleich geblieben ist wurden diese optisch einem kompletten Makeover unterzogen. Spiegel- und Partikel-Effekte sorgen für beängstigend realistische Kriegsszenarien und natürlich wurde auch das Wasser grafisch auf den Stand der Zeit gebracht. Die verbesserten Licht- und Schatten-Spiele wirken sich besonders in den Schleich-Missionen verstärkt auf die Atmosphäre aus und auch die so essentiellen Explosionen krachen in neuer Pracht über den Monitor. Speziell die Detonation der riesigen Atombombe wirkt beeindruckend bedrückend.
Auch die Charaktermodelle wurden überarbeitet, was sich speziell in den Gesichtern der NPCs widerspiegelt. Wir können richtige Emotionen in diesen erkennen, eventuell vorhandene Gesichtsbehaarung hat sich von Pixelmatsch in formschöne Bärte gewandelt, bei denen jedes Haar einzeln zu sehen ist. Zudem bewegen sich die Figuren nun deutlich natürlicher. Abgehakte Abläufe wie im Original sind kaum zu finden.

Bei der Optik haben Infinity Ward jedoch nicht aufgehört, auch der Sound wurde überarbeitet. Neben der (nicht unbedingt) einfachen Überarbeitung und Säuberung des Spiel-Audios wurden weiter einige Geräusche und Effekte, wie Waffensounds oder auch ganze Textzeilen von Charakteren, komplett neu aufgenommen. In Kombination mit der (vor allem für eine Remastered-Version) sehr ansehnlichen optischen Darbietung entfaltet der brachiale Sound eine extrem fesselnde Atmosphäre, die das Original seinerzeit bereits so beliebt macht.
Fazit
Call of Duty: Modern Warfare Remastered ist Pflicht für jeden Fan der Serie und des Originals. Auch Freunde geradliniger Shooter, die sich an der „Fuck Yeah, America!“-Platitude nicht unbedingt stören, werden ihre Helle Freude mit der Neuauflage haben. Der Titel macht auch knappe zehn Jahre nach Erscheinen noch sehr viel richtig und in der komplett überholten Form kann er ohne weiteres mit aktuellen Titeln mithalten. Infinity Ward hat ganze Arbeit geleistet und eine der besten Remastered-Versionen abgeliefert, die ich je spielen durfte.
3 Comments
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Das Spiel als ‚Beilage‘ des neuen Teils ist für mich wohl der größte Minuspunkt an der Sache. Die wissen schon ganz genau, warum sie das so und nicht anders anbieten…
Modern Warfare war mein letztes CoD, welches ich mit Freude und sehr lange im Multiplayer gespielt habe. Noch richtig eigene dedizierte Server, besonders mit den Mods für ausgeglicheneres Gameplay (keine Killstreaks, durchgehendes hüpfen unterbunden usw.) – war super. Die größte Schwäche sind die absolut miesen Spawnpunkte gewesen, die sich wohl auch durch alle späteren Titel durchgezogen haben. Schade, dass hier nichts über den Multiplayer verfasst wurde – oder ist dieser entfallen?
Die amerikanisch-patriotische Note, die du dem Titel zusprichst, kann ich nicht gänzlich nachvollziehen. Natürlich mäht man sich wie ein Roboter durch aberdutzende Gegnerscharen, jedoch hatte das Spiel für mich durch seine Schlüsselszenen (1x nukleares Resultat aus nächster Nähe und die von dir beschriebene „Moorhuhn-Bomberszenario). Sicher, die „coole Rambomanier“ überwog im Spiel, aber die besagten Szenen stimmten mich doch eher nachdenklich. Insbesondere das Zerbomben von hellen Punkten auf einem Bildschirm mit der verbalen Zelebrierung meiner Kameraden sorgte nicht für Freude, sondern eher flaues Gefühl in der Magengrube. Das hat für mich kein anderes Spiel so gut festgehalten, eventuell nur Spec Ops: The Line.
Hi ice. Ja, das mit der Beilage ist mehr als bitter, speziell da das Angebot nur für Vorbesteller der Sepcial Editions gilt – großes Buh!
Der Multiplayer ist noch nicht freigeschalten, dieser kommt am 4. November zusammen mit Infinite Warfare. Dann werde ich wohl auch ein wenig genauer darauf eingehen.
Bei dem Rambo-Teil muss ich dir teilweise zustimmen, Modern Warfare versucht definitiv eine Art „Antikriegsspiel“ an manchen stellen zu werden. Auch die Zitate beim Ableben stimmen nachdenklich, jedoch stand das für mich oft im zu krassen Kontrast zum eigentlichen Gameplay. Wir sind halt der „Master Shooter Seargent Person“, der alles zerballert weil die ach so bösen Terroristen unsere Freiheit bedrohen. Das ist leider die Quintessenz die (für mich) mitschwingt und mich durchgehend mit einem flauen Gefühl zurück gelassen hat…
[…] hat sich die überarbeitete Version genauer angeschaut. Seine Gedanken dazu hat er euch in einem Artikel und einem Video […]